Was steht Ihnen zu und wo versuchen die Versicherungen zu kürzen

Die 7 Klassiker mit denen Sie als Geschädigter teils schon im Vorfeld von den Versicherern über den Tisch gezogen werden, im Bestreben zu sparen, sind Versicherungen unterschiedlich pfiffig. Das Spektrum reicht von ganz plump „Wir zahlen nur das was wir für richtig halten den Rest müssen sie selbst übernehmen“ bis richtig clever: Der Versicherer stellt Pseudo Rechtsätze auf, die- gemessen am Rechtsgefühl eines Laien- durchaus überzeugend klingen, zumal sie meist noch mit Urteilen untermauert werden. Kratzt man aber an der Oberfläche und hinter forscht die Urteile, so kommt schnell an die Oberfläche das weder die Rechtssätze so existieren, noch dass die Urteile Sinn ergeben, da sie meist gegen die Versicherer ausgesprochen wurden.

Erfahren Sie bei uns mit welchen 7 Klassikern die Versicherer Sie im Haftpflichtfall über den Tisch zu ziehen zu versuchen und weshalb es Sinn macht Fachleute für sich arbeiten zu lassen. Hierbei gibt es natürlich noch viele weitere Möglichkeiten. Fragen Sie uns einfach!

 

1. Einschränkung der freien Gutachterwahl

 

„Wir haben bereits einen Gutachter beauftragt, weshalb sie keinen weiteren Sachverständigen einschalten dürfen.“

„Nach den Urteilen des BGH (…) kann ein Geschädigter nur die tatsächlich erforderlichen Kosten erstattet verlangen, die vom Standpunkt eines verständigen, wirtschaftlich denkendem Menschen in seiner Lage zur Behebung des Schadens zweckmäßig und angemessen erscheinen. Dabei ist er zwar grundsätzlich nicht zur Marktforschung verpflichtet, um einen möglichst preisgünstigen ausfindig zu machen, allerdings verbleibt ihm das Risiko, dass er einen Sachverständigen beauftragt der sich später im Prozess als zu teuer erweist.“

„Soweit der von ihm gewählte Sachverständige erkennbar überhöhte Honorarsätze für seine Tätigkeit verlangt, gebietet das schadensrechtliche Wirtschaftlichkeitsgebot, einen lokalen, günstigeren Sachverständigen zu beauftragen.“

Diese Thesen sind nicht haltbar, wie schon viele Gerichtsurteile zum Thema Sachverständigenhonorar gezeigt haben. Die meisten können Sie unter www.captian-huk.de nachlesen. Hierbei ist es auch unerheblich welcher Maßstab der Versicherung angelegt wird. Sei es eine eigene Honorartabelle oder eine Honorarbefragung durch einen Verband. Aufgrund der freien Marktwirtschaft darf jeder Sachverständige sein Honorar selbst bestimmen.

Die Gutachterkosten sind tatsächlich angefallene Kosten zur Behebung/Feststellung Ihres Schadens.

Gerne beraten wir Sie hierzu persönlich und legen Ihnen unsere Abrechnungspraxis offen.

Einzige Ausnahme: Wenn Sie sich mit der Schädiger Versicherung ausdrücklich darauf geeinigt haben, dass der Sachverständige von dort entsandt werden soll. Haben sie Ihr Recht quasi aufgegeben.

 

2. Schadenminderungspflicht

 

„Der Geschädigte muss sich stets so verhalten, als müsse er den Schaden aus eigener Tasche zahlen.“

Tausendfach gelesen, tausendfach falsch, obwohl das Rechtsgefühl nicht auf Anhieb rebelliert. Wer knapp bei Kasse ist und sich selbst einen Schaden zufügt, übt oft Verzicht. Die Beule bleibt drin, ein Gebrauchtteil anderer Farbe muss herhalten, eine günstige Reparatur wird beauftragt, zwei Stunden in Bus und Bahn statt eines Mietwagens werden in Kauf genommen. Und das soll der Maßstab sein an dem Ihr Schaden gemessen wird?

Das sieht der BGH ganz anders. In seinem Mietwagenurteil aus dem Jahr 1996, dass in puncto Mietwagentarif überholt ist, hat er zur Schadenminderungspflicht Grundlegendes gesagt (Urteil 07.05.1996, Az: VI ZR 138/95):

„Das Gebot zu wirtschaftlich vernünftiger Schadensbehebung verlangt jedoch vom Geschädigten nicht, zu Gunsten des Schädigers zu sparen oder sich in jedem Fall so zu verhalten, als ob er den Schaden selbst zu tragen hätte. Denn in letzterem Fall wird der Geschädigte nicht selten Verzicht üben oder Anstrengungen machen, die sich im Verhältnis zum Schädiger als überobligatorisch darstellen und die dieser daher vom Geschädigten nicht verlangen kann. Deshalb ist bei der Prüfung, ob der Geschädigte den Aufwand zur Schadenbeseitigung in vernünftigen Grenzen gehalten hat, eine subjektbezogene Schadensbetrachtung anzustellen, das heißt Rücksicht auf die spezielle Situation des Geschädigten, insbesondere auf seine individuellen Erkenntnis- und Einflussmöglichkeiten sowie auf möglicherweise gerade für ihn bestehende Schwierigkeiten zu nehmen.“


Nachgefragt bei Thomas Massing, Sachverständigenbüro UnfallSchadenDienst

unser Mitglied im Raum westliches Ruhrgebiet

0177 / 37 81 810


3. Kostenneutralität

„Der Geschädigte darf am Schaden nicht verdienen.“

Auch diesen Spruch werden Sie lesen, wenn entweder an Ihrer Reparatur gekürzt wurde oder Sie einen Brief vom gegnerischen Versicherer im Vorfeld bekommen. Er ist allerdings nur dann richtig, wenn man das Wort „verdienen“ korrekt interpretiert.

Regelmäßiger Anwendungsfall dieser Redewendung ist der Schaden am Betriebsinternen Fahrzeug. Der Versicherer kürzt die gutachterlich ermittelte Schadenssumme pauschal mit der Begründung, dass sei der Unternehmergewinn, der nicht erzielt werden dürfe.

Doch der BGH hat bereits vor über 35 Jahren dazu entschieden (Urteil vom 08.12.1977, Az: II ZR 189/75):

„Wer einen Schaden in der eigenen Werkstatt beseitigt, bekommt jedenfalls dann den Marktpreis erstattet, wenn diese Werkstatt eigentlich für Fremdreparaturen bestimmt ist. Er muss bei der Reparatur nicht zugunsten des Schädigers auf seinen bei Reparaturarbeiten anfallenden Unternehmergewinn verzichten.“

In diesem Urteil ging es zwar um eine Schiffsreparatur, das Urteil ist jedoch aufgrund der „Einheitlichkeit des Schadenersatzrechts“ auch auf Fahrzeugunfälle anwendbar.

Der Verzicht darauf, in der Zeit einen Fremdauftrag zu bearbeiten, ist eine überobligatorische Anstrengung. Auf den Ertrag daraus hat der Schädiger keinen Anspruch.


4. Positionen nicht angefallen

„UPE- Aufschläge, Verbringungskosten und Entsorgungskosten sind mangels durchgeführter Reparatur nicht angefallen. Deshalb werden sie auch nicht erstattet.“

Bei Versicherungen beliebt aber nicht richtig, ohne Reparatur fällt schließlich gar nichts an. Es ist absurd, dass manche Positionen erstattet werden, obwohl sie nicht angefallen sind (Ersatzteile, Arbeitsstunden) und andere nicht erstattet werden sollen, weil sie nicht angefallen sind (höherer Stundenverrechnungssatz, Entsorgung, zusätzliche Ersatzteile).

Die Frage muss deshalb lauten: Wären bei einer Reparatur die genannten Positionen auf der Rechnung erschienen oder nicht? Maßstab dabei ist die Werkstatt der jeweiligen Marke im jeweiligen Wirtschaftsraum.


5. Weniger bei alten Autos

Hier geht es um Kürzungen bei nicht durchgeführter Reparatur.

„Die Porsche- Entscheidung des BGH gilt nur für Fahrzeuge bis zu einem Alter von fünf Jahren.“

„Das Fahrzeug Ihres Kunden ist so alt, dass nur noch ein eingeschränkter Schadenersatzanspruch besteht.“

Meist wird hier pauschal ein Betrag abgezogen, da der Schädiger einen Ortsansässigen Betrieb ausfindig macht, der geringere Stundenverrechnungssätze hat, wie die im Gutachten angewendeten. Hier ist jedoch unerheblich, ob es eine Werkstatt gibt die günstiger ist, da der Versicherer dem Geschädigten nicht vorschreiben darf, in welche Werkstatt dieser geht bzw. in welcher Werkstatt der Schaden Sach- und Fachgerecht repariert wird. Häufig wird dies zusammen mit der sogenannten Schadenminderungspflicht (siehe Abschnitt 2) oder dem Hinweis auf das Fahrzeugalter und den Pflegezustand des Fahrzeugs begründet. Da nicht davon auszugehen ist, dass dieses Fahrzeug, aufgrund des Alters nicht mehr in einer Markenwerkstatt gewartet wurde.

Nach der Porsche- Entscheidung des BGH muss auch bei nicht durchgeführter Reparatur auf Basis der Stundenverrechnungssätze der Marke in der Region des Geschädigten abgerechnet werden (Urteil vom 29.03.2003, Az: VI ZR 398/02). Die These, das gelte nur für Fahrzeuge bis fünf Jahre ist dreist; der Porsche im Urteilsfall war bereits sechs Jahre und elf Monate alt.

Die Rechtsprechung differenziert beim Fahrzeugschaden nicht nachdem Fahrzeugalter. Dies gilt sowohl für die Werkstattwahl als auch für die Verwendung von Originalersatzteilen oder die Inanspruchnahme eines Mietwagens.


6. Wertminderung

Bei älteren Fahrzeugen.

„Ab einer Laufleistung von 100.000 km und/oder einem Alter von mehr als fünf Jahren besteht kein Anspruch auf Wertminderung mehr.“

Dazu hat der BGH das Gegenteil entschieden: Es gibt keine schematischen Grenzen für die Zuerkennung von Wertminderung (Urteil vom 23.11.2004, Az: VI ZR 357/03). Der einzige Maßstab ist das prognostizierte Marktverhalten bei Offenbarung eines reparierten Unfallschadens im Falle des gedachten Fahrzeugverkaufs.


7.Nutzungsausfallentschädigung

„Bei gewerblich genutzten Fahrzeugen gibt es keinen Anspruch auf pauschalisierte Nutzungsausfallsentschädigung. Der BGH hat den Anspruch auf privat genutzte Fahrzeuge begrenzt.“

Das war einmal. Der BGH sieht das heute ganz anders: Wenn das Fahrzeug so eingesetzt ist, dass sich ein Ertrag als Basis eines konkret bezifferbaren Schadens nicht errechnen lässt, wird auf die Pauschalierung nach der Nutzungsausfalltabelle zurückgegriffen (Urteil vom 04.12.2007, Az: VI ZR 241/06).